Jean Piaget entwickelte die Theorie der kognitiven Entwicklung. In diesem Artikel erfĂ€hrst du die Grundlagen seiner Theorie und eine ausfĂŒhrliche ErklĂ€rung seiner vier Entwicklungsstufen mit Beispielen.
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Theorie der kognitiven Entwicklung
Jean Piaget (studierter Kinderpsychologe) entwickelte die Theorie der kognitiven Entwicklung.
đŻ Piaget erklĂ€rt, wie sich kindliches Denken, Lernen und Problemlösen entwickelt.
â Er stellte dabei fest, dass Kinder alters- und entwicklungsbedingt auf UnterstĂŒtzung angewiesen sind, um konstruktiv eine Lösung fĂŒr bestimmte Probleme zu erlangen.
In diesem Zusammenhang gilt Piaget als Vertreter des Konstruktivismus.
Wenn dir der Begriff Konstruktivismus noch wenig oder nicht bekannt ist, kannst du dir hier das Video zu anschauen, um seine Theorie besser einordnen zu können.
Grundtendenzen: Adaption & Organisation
Nach Piaget strebt der Mensch nach innerer Harmonie mit sich und der Umwelt.
Mit der Geburt bringt jedes Kind zwei entscheidende Grundtendenzen mit, damit sich kognitive Denkprozesse entwickeln können.
đĄ Unterschieden wird die Tendenz zur Adaption und die Tendenz zur Organisation:
1) Adaption umfasst den Prozess der Assimilation und den Prozess der Akkomodation. Im Zusammenspiel bilden sie das kognitive Gleichgewicht, was als Ăquilibration bezeichnet wird.
- Assimilation meint, dass Neues in bereits vorhandene Schemata eingeordnet und angeglichen wird. Das Kind erkennt Ăhnlichkeiten und verallgemeinert. Beispiel: Tim nennt alle Vierbeiner Hund.
- Akkomodation meint, dass bestehende Schemata angepasst oder neu gebildet werden, z.B. Tim unterscheidet Vierbeiner in Hund und Katze.
2) Die Tendenz zur Organisation beschreibt, dass kognitive Schemata fortlaufend geordnet und verknĂŒpft werden.
Beispiel: Tim ordnet seine Erlebnisse schrittweise: Zuerst fasst er viele Lebewesen als Tier zusammen, dann bildet er konkret Kategorien wie Vierbeiner und darauf aufbauend unterscheidet er zwischen Hund und Katze.

4 Entwicklungsstufen nach Piaget
Piaget unterteilt die kognitive Entwicklung der Kinder in vier Stufen. Diese Stufen laufen immer in dieser Reihenfolge ab und bauen inhaltlich auf den Erfahrungen und Erlebnissen auf.
â Die Altersangaben sind Richtwerte und dienen als Orientierung, können jedoch individuell abweichen.
Stufe 1: Sensomotorische Intelligenz (0-2 Jahre)
đ Beginnt bei Geburt des Kindes und reicht in etwa bis zum Alter von zwei Jahren.
In dieser Phase erschlieĂen sich Babys die Welt ĂŒber SinneseindrĂŒcke:
- Sehen
- Hören
- FĂŒhlen
đ Sie beobachten und treten erstmals mit ihrer Umwelt in Kontakt.
Ab etwa einem Jahr lernen Kleinkinder vor allem durch …
- Nachahmung
- Wiederholung
- Experimentieren
â Ihr GedĂ€chtnis und erste kognitive Prozesse entwickeln sich.
Sensomotorische Intelligenz
Durch das Zusammenspiel der kindlichen Wahrnehmung und Handlung können Kinder, Schritt fĂŒr Schritt ihre Umwelt besser verstehen und sie gezielt beeinflussen.
Beispiel: Ein Baby schĂŒttelt eine Rassel zufĂ€llig. Das Baby hört den Ton und wiederholt gezielt die Bewegung, um diesen Ton erneut auszulösen.
Was passiert also? Das Baby verknĂŒpft seine Wahrnehmung (das Hören der Rassel) mit seiner Handlung (dem SchĂŒtteln der Rassel) und lernt: Wenn ich diese Bewegung ausfĂŒhre, löse ich diesen Ton aus.

Wichtige Meilensteine:
- Kreisreaktionen kennzeichnen wiederholte Handlungen, die fĂŒr die Kinder einen erneut interessanten Effekt auslösen, z.B. beim Experimentieren mit einer Rassel oder ihrem Finger.
- Objektpermanenz bedeutet, dass Kinder wissen: Objekte existieren weiter, auch wenn diese nicht unmittelbar sichtbar oder greifbar sind, z.B. ein Spielzeug geht nicht verloren, obwohl es im Schrank aufgerÀumt ist.
Stufe 2: PrÀoperationale Stufe (2-7 Jahre)
đ Beginnt etwa ab dem dritten Lebensjahr und reicht ungefĂ€hr bis zum Alter von sieben Jahren.
Kinder benötigen noch viel anschauliche Anregungen, um ĂŒberhaupt kognitiv zu verstehen und zu begreifen. Visuelle und sprachliche Hilfen wie …
- Bilder
- Fantasie- und Rollenspiele
… helfen den Kindern, eigene Erfahrungen einzuordnen.
PrÀoperationale Intelligenz
Kinder erweitern ihre Kompetenzen durch symbolisches Denken und können dadurch bestimmte Bedeutungen nachvollziehen.
Beispiel: Ein Kind hĂ€lt einen Bauklotz ans Ohr und sagt: âHallo Mamaâ. Der Bauklotz ist das Symbol fĂŒr das Telefon. Ăber eigene Sprache und das Rollenspiel mit der Mama kann das Kind, die Erfahrung âTelefonierenâ einordnen.

Wichtige Begriffe:
Mangel an Erhaltung beschreibt das fehlende VerstÀndnis von Kindern, dass sich bestimmte Mengen nicht Àndern, auch wenn sich Formen verÀndern.
Beispiel: Tim hat zwei GlÀser, ein hohes schmales Glas und ein niedrigeres breites Glas. Tim hat 200ml Wasser und denkt, dass in das hohe schmale Glas viel mehr Wasser als in das niedrige breite Glas passt.
Kindlicher Egozentrismus beschreibt, dass Kinder aus der egozentrischen Ich-Perspektive denken: Ich bin der Mittelpunkt der Welt und alles Geschehene passiert nur meinetwegen.
Beispiel: Ich habe mein Zimmer nicht aufgerÀumt, deshalb regnet es heute. Kinder vermischen daher oft gerne die RealitÀt mit ihrer Fantasie.
Stufe 3: Konkret-operationale Stufe (7-11 Jahre)
đ Reicht in etwa von sieben bis elf Jahren.
In dieser Phase können Kinder nun logisches Denken in konkreten Situationen anwenden. Sie benötigen keine anschaulichen Elemente mehr, um zu verstehen, sondern sie begreifen konkret in erlebten Momenten.
Konkret-operationale Intelligenz
Beispiel: Ein Kind ordnet HolzstĂ€be vom kĂŒrzesten zum lĂ€ngsten. Das Kind braucht keine zusĂ€tzlichen Bildkarten, im konkreten Handeln kann das Kind differenzieren und erkennen: Stab A ist lĂ€nger als Stab B.

Wichtige Entwicklungen:
- Abstraktes Denken bleibt weiterhin schwierig und ist an konkrete Erfahrungen gebunden.
- Kinder können Fantasie von RealitÀt besser trennen.
- Sie ordnen Dinge nach Merkmalen und bilden Reihenfolgen. Beispiel: Alltags- und Naturmaterialien werden getrennt oder Sortieren nach GröĂe, Farbe oder Form gelingt.
- Mengenerhaltung: Kinder verstehen, dass eine Menge trotz Form- oder LageverĂ€nderung gleich bleibt. Beispiel: Tim hat zwei GlĂ€ser, ein hohes schmales und ein niedriges breites. Er gieĂt 200 ml Wasser vom breiten Glas in das hohe Glas und erkennt: Der FĂŒllstand ist höher, aber die Menge bleibt gleich.
- Kinder verstehen, dass eigene Wahrnehmung und Gedanken individuell sind und sich von anderen unterscheiden können.
Stufe 4: Formal-operationale Phase (ab 12 Jahren)
đ Beginnt mit etwa 12 Jahren.
In dieser Phase entwickelt sich die FÀhigkeit zur Abstraktion weiter. Jugendliche können Abstraktes durchdenken und Begriffe wie Gerechtigkeit, Liebe oder IdentitÀt inhaltlich nachvollziehen und diskutieren.
Beispiel: Ein SchĂŒler diskutiert: Ist es gerecht, Hausaufgaben abzuschaffen? Um dies zu diskutieren, sammelt er Vor- und Nachteile und begrĂŒndet seine Position. Wenn es keine Hausaufgaben gĂ€be, dann haben SchĂŒler:innen mehr Freizeit, allerdings erhalten sie weniger Ăbung.

Formal-operationales Denken
Wichtige Begriffe:
- Metakognition: Jugendliche setzen sich mit eigenem Denken auseinander und können Strategien planen, begrĂŒnden und anpassen.
- Abstraktes Denken: Das abstrakte Denken wird stabil. Nicht nur Sichtbares zÀhlt, sondern das Denken findet auf einer höheren Ebene statt.
- Systematisches Problemlösen: Jugendliche stellen Hypothesen auf, lösen Probleme systematisch und beschÀftigen sich mit philosophischen oder wissenschaftlichen Fragen.
Zusammenfassung
- Piaget: erklÀrt, wie sich kindliches Denken, Lernen und Problemlösen entwickelt
- Piaget beschreibt, dass jeder Mensch mit zwei grundlegenden Tendenzen zur Welt kommt, die die kognitive Entwicklung vorantreiben. Adaption und Organisation. Mehr Informationen findest du in diesem Video.
- 4 Entwicklungsstufen kennzeichnen seine Theorie. Diese haben unterschiedliche Altersangaben und Schwerpunkte und zeigen, wie sich Entwicklung und Lernen entfalten.
Nach diesen vier Stufen gilt die kognitive Entwicklung als abgeschlossen:
- Die vier Entwicklungsstufen bilden die Denkgrundlagen.
- Lernen findet bei jedem Menschen lebenslang statt.
- Dabei nehmen das Umfeld des Menschen und soziale Beziehungen Einfluss.
- Neue Erfahrungen ermöglichen Wachstum im Denken.
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